Kleine Geschichte des Dresdner Weines

Die Anfänge des Weinbaus in Dresden

Wenn auch wirtschaftlich nicht von größter Bedeutung, so prägen die Dresdener Weinberge doch deutlich den Elbhang und bilden seit Jahrhunderten eine wunderschöne Einheit.

Der ursprünglich viel umfangreichere Weinbau ist heute wieder im Wachsen begriffen und versucht an vorhandene Traditionen anzuknüpfen.

So zeigt sich heute der Weinbau in Dresden, doch ist er in vergangenen Zeiten viel umfangreicher gewesen.

Als Dresden erstmalig urkundlich erwähnt wurde, war es ein kleines Dorf und spielte weinbaulich überhaupt keine Rolle. Für den Nachweis des Weinbaues im Elbtal gilt als ältestes erhaltenes Dokument eine Schenkungsurkunde des Markgrafen OTTO des Reiche an die Egidienkapelle in Meißen aus dem Jahr 1161. Im zwölften Jahrhundert breitete sich also der zielgerichtete Weinbau entlang der Elbe aus.

Im April 1588 erließ Kurfürst CHRISTIAN I. die "Churfürstliche Sächsische Weinbergsordnung" und schuf so eine wichtige Voraussetzung für einen effektiven und qualitativ anspruchsvollen Weinbau. So hatte also auch in Sachsen der Weinbau Fuß gefasst und war zu einer wirtschaftlich interessanten Größe geworden. Dies ging später sogar soweit, dass Winzer nicht zu Armeediensten bei AUGUST des Starken eingezogen wurden, da ihre Arbeit am Rebstock wichtiger war.

Die Reblaus - ein kleines Tier mit großer Wirkung

Technisch und ökonomisch gesehen war es ein großer Gewinn, als Dampfschiffe die Verbindung zwischen Europa und Amerika in zehn Tagen herstellen konnten. Aber die Schiffe schleppten bei ihren Fahrten von der Neuen in die Alte Welt ein winziges Tierchen mit ein, das in der Folgezeit für die Weinbauländer Europas zu einer existentiellen Bedrohung von höchstem Ausmaß wurde - die Reblaus.

Als erster Beleg für den Nachweis der Reblaus in Sachsen gilt das Telegramm des Garteninspektors Lämmerhirt von 19. August 1887 an das Ministerium des Inneren in Dresden: "Heut auf königlichen Weinbergen in Hoflössnitz das Vorhandensein der Reblaus festgestellt. Lämmerhirt". Damit begannen auch in Sachsen all die umfangreichen und in der Endkonsequenz nicht wirksamen Maßnahmen, wie das Lokalisieren der Befallsorte, das Aushacken der Pflanzen, das Desinfizieren mit Schwefelkohlenstoff und Tränken der Erde mit Petroleum, die in anderen Weinregionen angewendet wurden.

Aber wo in den anderen Weinbauregionen der Staat und die Administration dafür sorgten, die Auswirkungen für die Regionen und die vielen Winzer zu minimieren bzw. Abhilfe zu schaffen, traf in Sachsen die Reblaus auf einen sowieso schon rückläufigen Weinbau. Letztendlich sind nach ULRICH nur 8 % der Fläche durch die Reblaus vernichtet wurden. Aber sie war der Auslöser, dass Obrigkeit, Winzer und Landwirte zuließen, wertvolles Weinbergsland noch mehr als bisher einer obstbaulichen Nutzung zuzuführen bzw. als gewinnversprechendes Bauland anzubieten.

Rebsorten am Elbhang

Obwohl in vergangenen Zeiten am Elbhang sehr guter Rotwein erzeugt worden sein soll, haben wir es in heutiger Zeit fast ausschließlich mit Weißweinsorten zu tun. Flächenmäßig die wichtigste Sorte ist MÜLLER - THURGAU. Der Müller-Thurgau ist unkompliziert, zart fruchtig, oft mit wenig Säure versehen, aber immer gut, um auch größere Mengen trinken zu können.

Die Sorte Pinot blanc wird in Deutschland WEISSER BURGUNDER genannt und ist eine Mutante aus der großen Burgunderfamilie. Lange etwas stiefmütterlich behandelt und nur bei Eingeweihten beliebt, erlebt diese Sorten heute einen gewissen Aufschwung. Verdientermaßen ist sie zu den wichtigen Sorten in Sachsens Weinbau zu zählen. Weißburgunder verfügt nicht über ein vordergründiges Eigenaroma aber Extrakt und Körper dieses Weines lassen ihn zu einem hervorragenden Essensbegleiter erwachsen. Es ist eine Sorte mit der man sehr viel Freude haben kann.

In enger Verwandtschaft ist der GRAUE BURGUNDER (Pinot grigio) zu sehen, der in Sachsen als Ruländer oft noch bekannter ist. Diese Sorte ergibt einen hervorragenden, gehaltvollen und würzigen Wein, der mit dünnen und ausdruckslosen Pinot grigio aus der 2 l Flasche nichts gemein hat. Wir zählen ihn zurecht zu den Spitzensorten im Elbtal.

Für den Ort Tramin im Etschtal wird um 1000 erstmals eine Sorte erwähnt, die später den Namen TRAMINER erhalten wird. Unverkennbar in Duft und Aroma zählt sie zwar nicht zu der mengenmäßig am umfangreichsten, jedoch wohl zur berühmtesten Sorte an der Elbe. Ihren feinduftige und zartgliedrige Art und ihr angenehm betörendes Aroma lassen die Freude auf die neuen Jahrgänge regelmäßig ansteigen. Das Angebot an exquisiten Traminerweinen ist auch deutlich gestiegen.

Als 1969 eine Neuzüchtung in Weinsberg (Württemberg) den Namen des einheimischen Arztes und Dichters Justinus KERNER erhielt, ahnte keiner, dass diese Weißweinsorte einen derartigen Erfolg haben würde. Sie entstand aus der ungewöhnlichen Kreuzung der Rotweinsorte Trollinger und der Weißweinsorte Riesling. Frische, fruchtige und lebendige Weine lassen sich aus dieser Sorte keltern. Oftmals erreichen wir auch in Sachsen mit dieser Sorte hohe Mostgewichte.

Deutschlands Superstar unter den Weißweinsorten ist ohne Zweifel und verdientermaßen der RIESLING. Keine andere Sorte widerspiegelt so den speziellen Charakter ihrer Lage, ihres Standortes, wo sie wuchs und behält doch ihr Erscheinungsbild als Sorte bei wie der Riesling. Wenn er vielleicht auch nicht so elegant sich zeigt, wie es ein Rheingauer Riesling kann, so ist seine rassige Frucht und Säure auch bei Rieslingweinen aus dem Elbtal Anlass zur Freude.

Die Sächsische Weinstraße

Die Sächsische Weinstraße wurde 1992 auf Initiative vieler Weinbegeisterter aus der Taufe gehoben. Sie führt von Diesbar-Seußlitz über Meißen, Radebeul und Dresden bis Pirna. Sowohl zu Fuß, mit dem Rad aber auch mit dem Auto lassen sich entlang dieser Route die wichtigsten Weinbergsflächen wie auch Weingüter besichtigen. Zusätzlich wurde im Jahr 2000 erstmalig und mit großem Erfolg der "Tag des offenen Weingutes" angeboten, wo alle sächsischen Weingüter zur Besichtigung eingebunden und preislich einheitliche Weinproben angeboten wurden.

Selbstverständlich lebt eine Weinstraße auch von einer aktiven und kulturvollen Gastronomie. Entlang der Fahrstrecke kann der interessierte Tourist in ausgewählten Gaststätten sächsische Weine und fachkundige Erläuterungen genießen.

Trotz schwieriger Bedingungen für den Rebanbau hat der Sächsische Weinbau im gemeinsamen Wirken zwischen Winzern, Gastronomie, touristischen Einrichtungen, den einheimischen Weintrinkern wie auch den Besuchern aus der Region seine landeskulturelle Bedeutung für Sachsen und Dresden schrittweise festigen können.

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